TL;DR
- Google verschiebt Anzeigen in AI Overviews und AI Mode – wer nur auf klassische Search Ads setzt, verliert Sichtbarkeit im oberen Funnel.
- Mit AI Max verspricht Google 14 % mehr Conversions bei ähnlichem CPA – aber nur mit sauberem Setup und Broad-Match-Vorbereitung.
- Auch Microsoft Copilot und ChatGPT werden zu Werbekanälen. Paid Search ist nicht mehr nur Google.
- Sauberes Tracking und CRM-Anbindung sind keine Kür mehr, sondern Pflicht – weil die KI-Algorithmen nur so gut optimieren, wie die Daten es zulassen.
Unsere Performance-Marketing-Expertin Lea hat beim OMR-Webinar „SEA & Google Ads 2026 – KI Insights & Tipps für deine Strategie" von Lara Marie Masmann (AdStrive) mitgemacht und daraus einige interessante Erkenntnisse gezogen.
AI Overviews & AI Mode: Was passiert mit der SERP?
Google baut die Suchergebnisseite (Search Result Page – SERP) radikal um. Bei informationsorientierten Suchen drängt Google NutzerInnen zunehmend in den AI Mode – eine KI-gestützte Antwortumgebung, die klassische blaue Links in den Hintergrund rückt.
Für dich als Werbetreibende oder Werbetreibenden heißt das konkret: Die Phase, in der NutzerInnen sich informieren („Läuferknie vorbeugen"), wird zunehmend von AI Overviews dominiert. Klassische Search Ads tauchen dort bisher kaum auf. Erst in der Kaufphase („Laufschuhe Damen") spielen Shopping- und Search-Ads weiterhin ihre Stärke aus.
Der Funnel verschiebt sich, Ads müssen mitziehen
Der Blick auf den US-Markt zeigt, wohin die Reise geht: Anzeigen werden früher im Kaufprozess relevant. In der Attention- und Interest-Phase werden NutzerInnen mit Produkten konfrontiert, bevor sie aktiv danach suchen. Die KI recherchiert, ordnet ein – und schlägt dann passende Produkte vor.
Das klassische Modell „NutzerIn sucht Produkt → sieht Anzeige → klickt" wird ergänzt durch „NutzerIn stellt Frage → KI liefert Kontext → Anzeige erscheint als relevanter Vorschlag". Wer seine Kampagnen nur auf die Action-Phase ausrichtet, verpasst zunehmend Reichweite.
Wo landen Ads in der KI-Suche?
Google testet Anzeigenplatzierungen innerhalb und direkt unterhalb der KI-Antworten. Das Spektrum ist breit: Text-, Shopping-, Local- und App-Ads können in AI Overviews erscheinen. Aber es gibt klare Spielregeln.
- Broad Match ist Pflicht: Deine Search-Kampagnen müssen Broad Match nutzen, um überhaupt in AI Overviews ausgespielt zu werden.
- Performance Max wird bevorzugt: Google priorisiert PMax-Kampagnen in den KI-Formaten.
- Relevanz entscheidet: Anzeigen erscheinen nur, wenn sie kontextuell zur KI-Antwort passen und echten Mehrwert bieten.
- Sensible Themen sind ausgeschlossen: Für Finanzen, Gesundheit, Politik und Alkohol werden keine Ads in AI Overviews ausgespielt.
Die Logik dahinter: Die NutzerIn befindet sich noch in der Informationsphase, aber die Anzeige passt so präzise zum Kontext, dass sie als hilfreicher Impuls statt als Störung wahrgenommen wird. Genau das ist die Hürde – und die Chance.
Was ist AI Max?
Mit AI Max hat Google ein neues Kampagnenformat eingeführt, das Automatisierung auf ein neues Level hebt. Laut Google erzielen Werbetreibende damit im Schnitt 14 % mehr Conversions bei vergleichbarem CPA oder ROAS.
Was steckt drin? AI Max kombiniert Broad Match, automatisierte Textanpassungen (Asset Optimization) und die Final URL Expansion, die automatisch die relevantesten Landingpages für einzelne NutzerInnen auswählt. Du kannst AI Max entweder als eigene Kampagne aufsetzen oder als Feature in bestehenden Search-Kampagnen aktivieren.
Wichtig: Über Brand Settings (Inclusion- und Exclusion-Listen) steuerst du, wie mit Marken-Traffic umgegangen wird. Das ist entscheidend, damit AI Max nicht unkontrolliert auf Brand-Keywords bietet oder diese ausschließt.
Unsere Empfehlung: Bevor du AI Max testest, lasse Broad Match zwei bis drei Wochen in deinen Top-Performer-AdGroups laufen. In dieser Phase sammelst du Daten und baust gezielt negative Keywords auf. Erst dann hat AI Max die Grundlage, um sinnvoll zu optimieren.
Nicht nur Google: Ads in Microsoft Copilot & ChatGPT
Paid Search wird größer als Google. Zwei Entwicklungen, die du auf dem Schirm haben solltest:
Microsoft Copilot: Showroom Ads und dynamische Filter
Microsoft geht einen spannenden Weg: Mit Showroom Ads können Marken einen interaktiven Produktbereich direkt im Chat simulieren. Die KI lädt NutzerInnen ein, Produkte spielerisch zu erkunden – ohne die Konversation zu verlassen. Zusätzlich ermöglichen feed-basierte Anzeigen mit dynamischen Filtern, dass NutzerInnen die Produktauswahl direkt im Dialog eingrenzen können.
Microsoft betont dabei: Gesponserte Inhalte beeinflussen die eigentlichen Antworten des Copilot nicht. Die Trennung zwischen organischer Antwort und Werbung bleibt bestehen.
ChatGPT: Werbung ab 2026
Auch OpenAI öffnet sich für Werbung. Ab 2026 sollen Ads für NutzerInnen der kostenlosen und „Go"-Pläne erscheinen – klar als „Sponsored" markiert und am Ende einer Antwort platziert. NutzerInnen behalten die Kontrolle: Sie können ihre Anzeigen-Historie löschen und die Personalisierung auf Basis ihrer Chat-Verläufe steuern.
Für Werbetreibende bedeutet das: Paid Search beschränkt sich künftig nicht mehr auf Google. Wer früh testet, sichert sich Erfahrungswerte auf Kanälen, die bisher kaum Wettbewerb haben.
Tracking und Daten: Das Fundament für KI-Kampagnen
Alle KI-gestützten Formate haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind nur so gut wie die Daten, mit denen sie gefüttert werden. Sauberes Tracking ist deshalb kein Nice-to-have, sondern die Voraussetzung dafür, dass Googles Algorithmen überhaupt sinnvoll optimieren können.
Drei konkrete Hebel für bessere Datenqualität
- CRM-Daten zurückspielen: Verbinde dein CRM (Salesforce, HubSpot oder vergleichbar) mit Google Ads. Spiele MQLs, SQLs und tatsächliche Abschlüsse zurück, damit der Algorithmus nicht nur auf Leads optimiert, sondern auf Lead-Qualität.
- Conversion-Werte pro Funnel-Stufe definieren: Weise jedem Schritt einen konkreten Wert zu – zum Beispiel Lead = 100 €, Opportunity = 2.500 €. Die Werte basieren auf deiner Abschlusswahrscheinlichkeit und geben dem Algorithmus ein klares Optimierungsziel.
- Profit-Optimierung über das Merchant Center: Über das Attribut cost_of_goods_sold machst du den Bruttogewinn direkt in Google Ads sichtbar. So kannst du auf Gross Profit statt auf Umsatz optimieren – und deine Kampagnen werden profitabler, nicht nur umsatzstärker.
Kampagnenstruktur: Worauf du jetzt achten solltest
Neben den neuen Formaten lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen deiner Kampagnenstruktur. Zwei Punkte, die oft unterschätzt werden:
Struktur nach Margen: Sortiere Kampagnen nach Margen-Gruppen. High-Margin-Produkte bekommen ein niedrigeres ROAS-Ziel, damit der Algorithmus dort aggressiver bieten kann, wo es sich tatsächlich lohnt.
Präzise Produktdaten-Feeds: Titel und Beschreibungen in deinem Shopping-Feed müssen präzise genug sein, damit Googles Crawler deine Produkte korrekt kategorisieren. Unpräzise Feeds führen dazu, dass deine Produkte in falschen Kontexten ausgespielt werden – oder gar nicht.
So bereitest du dein Google-Ads-Setup auf KI vor (Tipps)
Hier sind fünf Maßnahmen, die du direkt angehen kannst, um dein Google-Ads-Setup KI-ready zu machen:
- Shopping-Feeds prüfen: Sind Titel, Beschreibungen und Produkthierarchien detailliert genug? Je präziser, desto besser die Ausspielung in KI-Formaten.
- Broad Match testen: Starte mit deinen Top-Performer-AdGroups. Lasse Broad Match zwei bis drei Wochen laufen, baue negative Keywords auf und beobachte die Suchanfragen.
- AI Max vorsichtig ausprobieren: Erst nach der Broad-Match-Phase. Aktiviere AI Max in einer bestehenden Search-Kampagne und vergleiche die Performance über vier bis sechs Wochen.
- CRM-Integration aufsetzen: Spiele Lead-Qualitätsdaten aus Salesforce, HubSpot oder deinem CRM zurück in Google Ads. So optimierst du nicht auf Volumen, sondern auf Wert.
- Microsoft Copilot und ChatGPT beobachten: Noch ist der Wettbewerb auf diesen Plattformen gering. Wer jetzt Erfahrungen sammelt, hat einen Vorsprung, wenn die Formate skalieren.
Fazit: KI verändert Paid Search, die Grundlagen bleiben
Die KI-Features in Google Ads sind kein Grund zur Panik. Sie sind eine Evolution, keine Revolution. Die Grundprinzipien bleiben: saubere Daten, präzise Kampagnenstruktur, relevante Anzeigen. Was sich ändert, ist wo und wann deine Anzeigen ausgespielt werden und wie viel Kontrolle du an Googles Algorithmen abgibst.
Wenn du jetzt dein Tracking-Setup optimierst, Broad Match sauber testest und die neuen Formate schrittweise integrierst, kannst du profitieren. Wenn du zu lange wartest, überlässt du den Algorithmen Entscheidungen auf Basis schlechter Daten. Das kann teuer werden.
Du willst wissen, ob dein Google-Ads-Setup für die KI-Ära aufgestellt ist? Melde dich einfach über unsere Website oder schreibe uns auf LinkedIn. Wir schauen im ersten unverbindlichem Gespräch gemeinsam auf dein Konto, dein Tracking und deine Kampagnenstruktur, um Potenziale zu identifizieren.
Quelle: OMR-Webinar „SEA & Google Ads 2026 – KI Insights & Tipps für deine Strategie", Referentin: Lara Marie Masmann (AdStrive), Februar 2026.*
Das könnte dich noch interessieren
Blog
Agentic Commerce: Deine Roadmap für eine KI-optimierte Marke
UCP (Universal Commerce Protocol)
Asana-Statusbericht mit Claude automatisieren
Leistungen