TL;DR
- GA4 trackt nur mit Consent. BesucherInnen, die den Cookie-Banner ablehnen oder ignorieren, sind in deinem Report unsichtbar.
- ganztags. arbeitet mit Matomo im Cookieless Pre-Consent-Modus. So bekommen wir verlässliche Daten, sehen alle Conversions und ihre echten Quellen.
- Matomo im Cookieless-Modus bietet keine Cross-Device-Attribution und keinen automatischen Datenaustausch mit Google Ads Smart Bidding.
- Für B2B-Seiten mit Lead-Gen ist Cookieless Tracking mit Matomo sinnvoll, für E-Commerce-Shops mit hohem Ads-Budget eher nicht.
Bei unseren KundInnen entscheiden wir praktisch, was am besten zum Geschäftsmodell passt: GA4, Consent Mode v2, Server-Side-Tracking, manchmal auch eine Kombination davon.
Bei ganztags. nutzen wir Matomo, selbst gehostet, mit Cookieless Pre-Consent. Nicht aus Datenschutz-Gründen, sondern weil wir wissen wollen, wo jeder Lead wirklich herkommt.
Das Conversion-Problem, über das niemand gerne spricht
Wer mit einem Standard-GA4-Setup arbeitet, kennt das Muster: 100 BesucherInnen kommen auf die Seite. 50 klicken im Consent-Banner auf „Ablehnen" oder ignorieren ihn ganz. Damit sind diese 50 Personen für GA4 unsichtbar; inklusive der Kontaktformulare, die sie absenden, und der Demo-Buchungen, die sie auslösen.
Im Backend stehen am Monatsende 20 Leads. Wie viele es wirklich waren, weiß niemand.
Das wird zum echten Problem, wenn folgende Fragen beantwortet werden müssen:
- „Welcher Kanal bringt die besten Leads?" Wenn dir die Hälfte der Leads im Tool fehlt, fällt auch die Zuordnung zur Quelle weg. Du optimierst Budget auf Basis der Hälfte deiner Daten.
- „Hat sich der SEO-Push für das Keyword-Cluster gelohnt?" Wenn organische BesucherInnen überdurchschnittlich oft ablehnen (passiert häufig), wird der Kanal systematisch unterschätzt.
- „Welche Landing Page konvertiert besser?" Bei kleinen Unterschieden zwischen zwei Varianten ist die Lücke in den Daten größer als die Differenz selbst. Du testest gegen Rauschen.
- „Brauchen wir mehr Content zu Thema X?" Schwer zu sagen, wenn nicht klar ist, wie viele der Lesenden tatsächlich konvertiert haben.
Das ist nicht GA4s Schuld. Das ist die Konsequenz aus „Tracking nur mit Einwilligung". Und es passiert genauso bei jedem anderen Tool, das ohne Cookie-Consent gar nichts misst.
Das ganztags.-Tracking-Setup mit Matomo Cookieless
Wer die ganztags. Website im Browser-DevTools öffnet und auf den Network-Tab schaut, sieht das hier:
- Matomo Tag Manager lädt von
https://mt.ganztags.net/js/container_o0zA5JiT.js, sofort beim Seitenaufruf, ohne Consent. Der Container selbst setzt nichts, er entscheidet nur, was läuft. - Erster Pageview geht an
https://mt.ganztags.net/matomo.phpraus, bevor du auf irgendetwas im Klaro-Banner geklickt hast. Im Request:_id=(leer),_idn=1,send_image=0. Kein Visitor-Identifier, keine Wiedererkennung, keine Cookies. Aber: die Aktion ist gezählt. - Klaro! als Consent-Tool. Cookie heißt schlicht
klaround merkt sich deine Entscheidung. - Erst nach Akzeptieren kommen
_pk_id.1.a16b,_pk_ses.1.a16bundmtm_cookie_consentdazu; die First-Party-Cookies, mit denen Matomo Sitzungen und wiederkehrende NutzerInnen voll zuordnen kann. - Sonst ist da nichts. Kein
google-analytics.com, keingoogletagmanager.com, kein LinkedIn-Pixel, kein Hotjar, kein Microsoft Clarity. Einziges externes Skript:app.varify.iofür A/B-Tests.
Das ist kein Marketing-Versprechen, sondern der Inhalt unseres Tag Managers. Bevor dieser Beitrag live ging, haben wir es selbst noch einmal geprüft. Hat 3 Minuten gedauert.
Warum wir jede Conversion sehen, wo andere die Hälfte verlieren
Der entscheidende Hebel ist nicht das Tool, sondern der Cookieless-Pre-Consent-Modus.
So funktioniert er bei uns:
- Vor dem Klick im Klaro-Banner. Anonymisiertes Tracking. Gekürzte IP, kein Cookie, keine
visitorId. Matomo sieht: „Auf dieser Seite wurde eine Conversion ausgelöst." Matomo sieht nicht: „Diese spezifische Person, die vorher auf Seite X und Y war." - Nach dem Klick auf „Akzeptieren". Vollwertiges Tracking mit First-Party-Cookies. Customer Journey, Session-Verlauf, wiederkehrende NutzerInnen; alles wird erfasst.
- Nach dem Klick auf „Ablehnen". Der Pre-Consent-Modus bleibt aktiv. Conversions werden weiter gezählt, nur ohne Personenbezug.
Der Punkt: keine Conversion fällt aus der Statistik raus. Egal, was im Banner passiert.
Was wir bei den AblehnerInnen verlieren, ist die Customer Journey; also „welche Seiten hat diese Person vorher gesehen". Was wir behalten, ist die Grundwahrheit über das, was passiert ist: 25 Kontaktanfragen über organische Suche, 12 über LinkedIn, 8 über Direct. Genau die Zahlen, die du brauchst, um Budget und Aufmerksamkeit zu verteilen.
Bei den BesucherInnen, die zustimmen, sehen wir die volle Journey und können Wege durch die Seite nachvollziehen. Aber wir treffen unsere großen Entscheidungen nicht auf Basis der Zustimmer-Stichprobe. Wir treffen sie auf Basis aller, die konvertiert haben.
Was uns Cookieless Tracking mit Matomo im Reporting tatsächlich bringt
- Vollständige Kanal-Attribution. Welcher Kanal hat im letzten Quartal wirklich am meisten Leads gebracht, nicht welcher hat am meisten Leads unter den Zustimmern. Klingt nach Detail, ist aber bei kleineren Kanälen genau der Unterschied zwischen „lohnt sich" und „lohnt sich nicht".
- Vergleichbarkeit über Zeit. „Wir hatten im Mai 2026 doppelt so viele Demo-Anfragen wie im Mai 2025" ist eine Aussage, kein Pi-mal-Daumen.
- A/B-Tests mit ausreichend Signal. Wenn dir die Hälfte deines Conversion-Traffics fehlt, brauchst du doppelt so lange, bis ein Test signifikant wird. Bei uns läuft jeder auf der vollen Stichprobe.
- Ehrliche Kunden-Reports. „Diese 47 Leads wurden gemessen" ist eine andere Aussage als „diese 47 Leads sind das, was wir sehen konnten, plus eine Schätzung dessen, was wir nicht sehen können."
- Schnellere Seite. Eine Matomo-Tracking-Anfrage und ein A/B-Test-Skript. Kein GTM-Wasserfall, der den Largest Contentful Paint sabotiert.
Datenschutz und Datenhoheit sind nette Nebeneffekte. Aber der Grund, warum wir bei diesem Setup geblieben sind, ist: Die Conversion-Zahlen, die wir morgens im Dashboard sehen, sind diejenigen, die wirklich stattgefunden haben.
Wo Matomo an seine Grenzen stößt und warum das okay ist
Matomo im Cookieless-Modus heißt auch: Wir müssen einige Funktionen aufgeben.
- Cross-Device-Tracking. Wer mit dem Handy in der S-Bahn unseren Blog liest und abends am Desktop das Kontaktformular ausfüllt, sind für uns zwei Personen. Punkt.
- Audience-Sync mit Google Ads. Wir können aus Matomo keine Remarketing-Listen oder Custom Audiences in Google Ads schieben. Für uns kein Problem, weil wir auf unserer eigenen Seite kein Remarketing fahren. Für einen Shop mit Performance-Setup: ein No-Go.
- Smart-Bidding-Signal. Google Ads optimiert Gebote auf Basis der Conversion-Daten, die GA4 (oder Google Ads selbst) zurückspielt. Matomo spielt nichts zurück. Wer Smart Bidding fährt, braucht das andere Setup.
- Out-of-the-box-Integrationen. Hubspot, Salesforce, Marketo – die offiziellen Konnektoren sind alle Google-first. Bei Matomo bauen wir Anbindungen meist über die Matomo Reporting API selbst.
- „Standard"-Komfort. Jeder Mitarbeitende, der schon einmal Online-Marketing gemacht hat, kennt GA4. Matomo-Onboarding kostet einen Nachmittag.
Wir haben uns bewusst dafür entschieden, diese Punkte in Kauf zu nehmen, weil unsere eigene Website keine Ads-Maschine ist, sondern eine Lead-Quelle, deren Funktionsweise wir verstehen wollen. Bei einem D2C-Shop mit fünfstelligem Tagesumsatz würden wir vermutlich anders entscheiden.
Cookieless Tracking mit Matomo ist nicht für jeden geeignet
Matomo ist nicht für jeden Kunden die richtige Antwort. Wir setzen eher auf GA4 (oder nutzen ein hybrides Setup mit Server-Side-Tagging), wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:
- Mehr als ~50.000 € monatliches Performance-Budget bei Google. Da brauchst du den Datenfluss in Google Ads, sonst optimierst du gegen die KI.
- Internationale Standorte mit lokalen Marketing-Teams, die mit GA4 arbeiten. Tool-Brüche kosten mehr, als sie sparen.
- E-Commerce-Setup mit GMC, Enhanced Conversions und Smart Shopping. Geht ohne GA4 im Hintergrund schlechter.
- Keine Kapazität für Eigenhosting. Matomo Cloud ist eine Option, aber dann hostet eben jemand anders.
Matomo in 5 Schritten aufsetzen & konfigurieren
Das Gute: Matomo aufzusetzen ist nicht kompliziert. Das Realistische: Es kostet Zeit. Rechne mit ein bis zwei Tagen für die Technik, dann eine Woche für die Migration.
- Matomo-Instanz aufsetzen. Eigener Server (PHP, MySQL/MariaDB) oder Matomo Cloud. Subdomain wie
mt.deinedomain.deeinrichten, TLS-Zertifikat dazu, Backup-Routine nicht vergessen. - Matomo Tag Manager nutzen, nicht das nackte Tracking-Snippet. Spart dir später jede Diskussion über Event-Tracking und Erweiterungen. Tag Manager → Tag → Matomo → Site-ID rein → fertig.
- Conversion-Ziele definieren. Formular-Absendungen, Demo-Buchungen, Newsletter-Anmeldungen, Downloads. Bevor du auf Daten optimierst, musst du wissen, was eine Conversion bei dir überhaupt ist.
- Consent-Tool integrieren und Pre-Consent-Modus aktivieren. Wir nutzen Klaro!, weil es Open Source und schlank ist. In den Matomo-Tag-Einstellungen:
disableCookiesan,requireConsentaus (damit Conversions auch ohne Einwilligung gezählt werden),setCookieConsentGivenwird erst nach Klick im Banner ausgelöst. IP-Anonymisierung an. - Vergleichszahlen ziehen. Wenn du schon GA4 nutzt, lässt du Matomo am besten zwei bis drei Monate parallel laufen. Dann hast du belastbare Vergleichsdaten und siehst, wie groß die Lücke zwischen „in GA4 sichtbar" und „tatsächlich passiert" in deinem Fall wirklich ist. Erfahrungswert: bei B2B-Seiten meistens deutlich größer als erwartet.
Fazit: Daten, die Entscheidungen tragen
Wir haben Matomo und Cookieless Pre-Consent gewählt, weil wir Conversion-Zahlen wollen, die zeigen, was wirklich passiert ist; nicht eine Stichprobe von dem, was die Hälfte der BesucherInnen erlaubt hat. Für Entscheidungen über Budget, Kanäle und Content ist das die belastbarere Grundlage.
Datenschutz und schnellere Ladezeit kommen oben drauf. Aber wenn wir nur eines davon nennen dürften, wäre es die Vollständigkeit der Daten. Für deine Seite ist das vielleicht die richtige Antwort. Vielleicht auch nicht. Wir helfen bei beidem.
Du willst wissen, wie viele Conversions für dich unsichtbar sind? Melde dich einfach über unsere Website oder schreibe uns auf LinkedIn. Wir schauen uns dein Setup im ersten unverbindlichen Gespräch gemeinsam an und sagen ehrlich, ob sich ein Wechsel für dich lohnt.
Matomo & Cookieless Tracking: Häufig gestellte Fragen
Was ist Matomo?
Matomo ist ein Web-Analytics-Tool, das misst, woher BesucherInnen kommen, was sie auf deiner Website tun und ob sie konvertieren.
Was ist der Unterschied zwischen Matomo und GA4?
GA4 speichert deine Daten bei Google, ist kostenlos und schnell eingerichtet. Der Haken: Google hat Zugriff. Matomo speichert alles auf deinem Server, kostet eine monatliche Gebühr und gibt dir volle Kontrolle. Google Ads und Smart Bidding funktionieren bei GA4 im Schlaf. Bei Matomo brauchst du mehr Handarbeit.
Für wenn lohnt sich Tracking mit Matomo?
Tracking mit Matomo macht Sinn, wenn dir Datenschutz und Kontrolle wichtiger sind als Komfort; also für B2B-Seiten, Unternehmen mit kleinen Ads-Budgets und Agenturen, die transparent arbeiten wollen. Nicht ideal ist das Tool, wenn du auf Google Ads Smart Bidding angewiesen bist oder dein Team GA4 perfekt kennt.
Was ist Cookieless Tracking?
Cookieless Tracking erfasst Nutzerverhalten, ohne einen einzigen Cookie zu setzen. Statt eine ID im Browser der NutzerInnen zu speichern, arbeiten Tools wie Matomo mit serverseitiger Datenerfassung, IP-Anonymisierung und statistischen Modellen. Das Prinzip: Verhalten verstehen, ohne Identität zu speichern. Der Unterschied zu klassischem Tracking ist simpel und trotzdem entscheidend. Ein Cookie merkt sich „diese eine Person kam wieder". Cookieless Tracking erkennt „hier war jemand, der sich so verhalten hat"; aggregiert, anonymisiert, ohne Personenbezug.
Was sind die Vor- und Nachteile von Cookieless Tracking?
Cookieless Tracking bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich:
Vorteile
- Vollständigere Daten: NutzerInnen, die Cookies ablehnen, verschwinden bei klassischem Tracking aus der Statistik. Bei Cookieless Tracking bleiben sie sichtbar.
- DSGVO-Konformität ohne Banner: Richtig konfiguriert läuft Cookieless Tracking ohne Einwilligungspflicht. Kein Consent-Banner, keine Reibung im Nutzerfluss. Die Daten fließen, ohne dass du erst um Erlaubnis fragen musst.
Nachteile
- Cross-Device-Tracking wird schwieriger: Ohne persistente ID über Geräte hinweg lässt sich der Weg einer Person von Smartphone zu Desktop nur eingeschränkt nachvollziehen. Für Attributionsmodelle mit langen Customer Journeys ein echter Einschnitt.
- Höherer technischer Aufwand: Serverseitige Konfiguration und saubere Einrichtung ersetzen das simple Cookie-Snippet zum Einfügen. Das Setup ist kein Fünf-Minuten-Job.
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